Alexander Fufaev
Ich heiße Alexander FufaeV und hier schreibe ich über:

9. Juni 2024: Schlechtes Gewissen wegen Stefanie. Der starke Haarausfall ist komplett verschwunden

9. Juni 2024. Als ich heute morgen aufgewacht bin, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Ich war sehr überfordert von dem gestrigen Tag. Ich habe Stefanie im Stich gelassen. Ich will nach Borsum fahren, um Energie zu tanken.

Auf dem Weg nach Hildesheim habe ich ihr eine E-Mail geschrieben, weil sie auf ihrem Handy natürlich nicht erreichbar war.

Der Bus fährt erst in anderthalb Stunden. Also bin ich in die Stadt gegangen. Ich habe mich in die Rosso Cafébar gesetzt, einen Apfelkuchen gegessen, dazu einen entkoffeiniertem Latte Machiato getrunken und dabei an Stefanie gedacht. Alexander Fufaev in der Cafebar Rosso in Hildesheim

Wenn ich neben Stefanie liege, fühle ich mich geborgen. Aber sie überfordert mich sehr mit ihrem ununterbrochenen, meist oberflächlichen Gerede. Vielleicht ist es ihr italienisches Blut oder es liegt an ihrer psychischen Erkrankung. Das ist so anstrengend. Aber ich muss lernen, meine Bedürfnisse zu kommunizieren. Wenn mich das überfordert, muss ich ihr das klar sagen.

Sie ist die exotischste Person, die ich je in meinem Leben getroffen habe, und wir akzeptieren uns beide so, wie wir sind. Gleichzeitig sind wir (wenn man vom Alkohol absieht) im sozialen Leben sehr unterschiedlich. Ich bin eher ein Einzelgänger und habe kaum Freunde. Sie dagegen kennt so viele Leute. Sie redet über oberflächliche Dinge, ich rede lieber über tiefgründige Dinge. Sie redet viel und ständig über ihr Leben. Ich schweige lieber.

Ich glaube, mit Stefanie kann ich wachsen wie ich will und in welche Richtung ich will. Und sie ist eine unendlich große Lernquelle, weil sie so viel Lebenserfahrung hat. Sie war in den unterschiedlichsten Lebenssituationen, hat sehr viele Menschen kennengelernt und ist durch die größten Krisen gegangen, die man sich vorstellen kann. Und sie traut sich Dinge zu machen, die den gesellschaftlichen Normen widersprechen. Ich glaube, das kann man nicht toppen. Aber ich spüre auch, dass sie viele offene Wunden hat, die ihr das Leben zugefügt hat. Wunden, derer sie sich nicht bewusst zu sein scheint.

Nach dem Aufenthalt im Café und dem Schreiben des Tagebuchs über Stefanie hat sich die emotionale Schwere in meiner Brust gelegt. Mit dem Bus bin ich nach Borsum gefahren.

Mama kam gleichzeitig von der Frühschicht nach Hause. Wir haben zusammen Nudeln mit Tomatensoße gegessen.

»Hast du schon eine neue WG gefunden?«, fragte sie mich.

»Noch nicht. Ich habe wahrscheinlich an die 50 WGs in Hannover, Bremen, Hildesheim und anderen Städten in Niedersachsen angeschrieben, nur Absagen oder keine Antwort«, erklärte ich.

Zum Abschied sagt sie: »Aber du schläfst nicht auf der Straße?«

»Nein, natürlich nicht, Mam. Ich kann noch bis Ende Juni in der WG wohnen«, erklärte ich.

»Wenn du keine WG findest, schlaf bitte nicht auf der Straße. Du hast hier auch ein Zuhause.«

Mir wurde warm ums Herz. Ich umarmte meine Mama und fuhr zurück nach Hannover.

An der Bushaltestelle habe ich gleich die Schuhe ausgezogen und bin barfuß gefahren. Endlich wieder die totale Freiheit an den Füßen spüren.

Im Zug saß ich auf einem Zweiersitz.

»Entschuldigen Sie«, sprach mich jemand von hinten an, »Sie kennen sich doch sicher mit Laptops aus«, fragte mich ein Mann, der anscheinend mit seinem neben ihm sitzenden Sohn unterwegs war. Er wollte einen Laptop kaufen, um Bewerbungen zu schreiben. Ich empfahl ihm das Macbook Air, das ich auch benutze. Als ich ihm den Preis nannte, sagte er, das könne er sich nicht leisten. Dann habe ich ihm einen günstigen Windows-Laptop empfohlen, am besten gebraucht, das ist nachhaltiger und billiger.

Ich ging zum Stadtstrand, um zu sehen, ob Stefanie dort war. Sie war nicht da. Ich bin dort ein bisschen geschaukelt.

Nach dem Schaukeln bin ich gegen 19 Uhr in die WG gefahren. Zu Hause habe ich Weintauben gegessen und mich gefragt, was Stefanie jetzt macht. Ich spüre wieder die emotionale Schwere in mir. Mein rechtes Oberlid zuckt. Wahrscheinlich Stress. Ich schreibe das Tagebuch von gestern und habe Tränen in den Augen. Ich bitte Gott um Vergebung, dass ich Stefanie im Stich gelassen habe. Es tut gut, die aufgestauten Emotionen auszuweinen. Danach war ich erleichtert.

Und da ist mir etwas Erstaunliches aufgefallen: Im Abfluss waren kaum Haare. Ich bin mit der Hand noch intensiver durch die feuchten Haare gegangen, um sie zu kämmen. Nur ein, zwei oder gar keine Haare blieben an der Hand kleben. Von einem Tag auf den anderen ist der Haarausfall verschwunden. Meine Selbstdiagnose schien also zu stimmen: Ich hatte eine psychogene Alopezie.

Kurz vor der Laptop-Downtime habe ich mir ein paar Videos von Joe Dispenca angeschaut und Spagat geübt. Mir wurde bewusst, was der nächste Schritt in der Evolution des Menschen ist: sich von den Emotionen zu lösen, um nicht zum Sklaven der Emotionen zu werden.

Ich bin heute dankbar:

  • Für den leckeren Apfelkuchen bei Rosso, der mich etwas aufgemuntert hat.
  • Dass Mama mich nicht im Stich lässt, wenn ich es nicht schaffe, bis Ende des Monats eine neue Wohnung zu finden.
  • Dafür, dass mein Haarausfall praktisch von einem Tag auf den anderen verschwunden ist.