Alexander Fufaev
Ich heiße Alexander FufaeV und hier schreibe ich über:

4. Juni 2024: Obst und Gemüse hydriert besser als Leitungswasser. Lena geht ans Telefon. »Planet der Affen« im Kino.

4. Juni 2024. Ich bin um halb zehn aufgewacht, weil ich gestern Abend noch lange wach war.

Heute ist der zweite Tag ohne Brot. Statt Brötchen mit veganem Aufstrich gab es auf dem Balkon ein paar Erdbeeren, ein Drittel Gurke, ein paar Tomaten und zwei vegane Würstchen. Dann noch ein paar Scheiben Wassermelone. Trotz der Brötchen, die ich für Mama gebacken habe, konnte ich heute meinen Verlangen nach Brot viel leichter widerstehen. Alexander Fufaev frühstückt ohne Brot

Nach dem Frühstück ist mir auf der Toilette aufgefallen, dass mein Urin gar nicht gelb ist. Normalerweise ist mein Urin nach dem Frühstück gelb, obwohl ich ein Glas Wasser getrunken habe. Eigentlich logisch, denn Obst und Gemüse enthalten viel mehr Wasser als Brötchen. Während Obst und Gemüse dem Körper Wasser zuführen, entzieht das Brot dem Körper bei der Verdauung Wasser.

Ich habe noch ein bisschen Spagat geübt und bin dann nach Hannover gefahren.

Alexander Fufaev lernt Spagat Heute ist der erste Tag, an dem ich angefangen habe, den Spagat zu lernen. So weit komme ich runter.

Ich warte auf die Straßenbahn, um kurz in die WG zu fahren. Drei Mädchen, vielleicht 14 bis 16 Jahre alt, schauen mich an und kichern. Ich lächle zurück.

»Brauchen Sie Pfand?«, fragt das Mädchen mit der Zahnspange und reicht mir eine Pfandflasche.

»Ich habe genug Geld, danke«, antwortete ich und stieg in die Straßenbahn. Mein Gott, ich mag es gar nicht, wenn man mich siezt. Dann komme ich mir vor wie ein alter Sack.

Zu Hause musste ich wieder pinkeln. Mein Urin war so klar wie Wasser. Das habe ich selten erlebt. Anscheinend hat mich das wasserhaltige Obst und Gemüse gut mit Flüssigkeit versorgt - besser als Leitungswasser.

Dann bin ich in die Stadt gefahren und habe mich im Café »Coffee Friends« an meinen Laptop gesetzt und noch ein bisschen Tagebuch geschrieben. Im Hintergrund diskutierte ein älterer Herr, wahrscheinlich mit seiner Frau, über den Kapitalismus und wie schwer es ist, ihn in der heutigen Gesellschaft zu ersetzen. Alexander Fufaev im Hugendubel bei Coffee Friends

Nach dem Cafébesuch versuche ich Natalie anzurufen. Es klingelt.Aber dann ist wieder die Mailbox dran. Ich glaube, sie hat kein Interesse. Ich tippe auf Lenas Kontakt und rufe sie an. Es klingelt.

»Hallo«, hörte ich am anderen Ende der Leitung.

»Hallo Elena! Ich hätte nicht gedacht, dass du rangehst«, reagierte ich völlig überrascht.

Wir sprachen kurz darüber, was wir gerade machen. Sie lernt für ihre letzte mündliche Prüfung im Juli.

»Und was machst du so?«

»Ich chille mein Leben«, antwortete ich, »laufe durch die Stadt, lese Bücher und sitze in Cafés«.

Während des ganzen Gesprächs lief ich im Kreis um ein Apothekenschild herum.Das sah sicher lustig aus, aber ich war so in das Gespräch mit Lena vertieft, dass ich erst am Ende merkte, was ich mit meinem Körper machte.

»Ich bin auf dem Campus nicht zu übersehen, ganz in Schwarz gekleidet und barfuß«, erklärte ich für den Fall, dass sie mich auf dem Conti-Campus sehen und an mir ihre Fähigkeiten aus dem Buch »Emotion-Code« ausprobieren würde.

»Safe, wir sehen uns«, sagte sie zum Schluss. Wir verabschiedeten uns.

Ich finde es lustig, wie oft sie das Wort »safe« benutzt. Sie scheint noch sehr jung zu sein, denn das ist eher ein Slang der neuen Generation.

Nach dem Telefonat war ich die ganze Zeit in der Innenstadt. Entweder bin ich spazieren gegangen oder habe irgendwo auf dem Boden gehockt oder gestanden und die Menschenmassen beobachtet. Natürlich immer in der Hoffnung, eine schöne Göttin zu treffen, die in meinem Leben bleibt.

Ich bin auf dem Weg vom Bahnhof zur Kröpcke-Uhr, einem typischen Treffpunkt, an dem manchmal schöne Göttinnen stehen.

»Alexander?«, sagt jemand, der an mir vorbeiläuft, und ich schaue kurz zu Boden und bemerke die Person nicht.

Ich drehe mich um und sehe eine dunkelhäutige, bunt gekleidete Frau.

»Ah, Comfort«, begrüßte ich die afrikanische Frau von der Organisation »God Church of Hannover«, die mir damals den Tipp gegeben hatte, beim Manifestieren nicht mit dem Universum, sondern mit Jesus zu sprechen.

Wir kamen ins Gespräch darüber, warum ich keine Schuhe trage und ob das religiöse Gründe habe. Sie gab mir die typischen Bedenken: Glasscherben, Kälte, Schmutz, die Gedanken der anderen.

Sie sah, dass es mir nicht gut ging.

»Dein Herz ist verschlossen«, sagte sie und legte ihre Hand auf meine Brust. »Wenn du es öffnest, wirst du sehen, dass es dir besser geht.«

Comfort hatte eine außergewöhnliche Gabe, in die Seele der Menschen zu schauen. Sie schien etwas in mir zu sehen, was ich selbst nicht sehen konnte, aber ahnte. Sie wollte mir unbedingt ihre Nummer geben, damit ich in ihre christliche Gemeinde kommen konnte. Ich lehnte ab. Ich wollte nicht, obwohl ich wusste, dass Comfort ein guter Mensch war.

»Du bist ein außergewöhnlicher Mensch, Alexander«, sagte sie, nachdem ich ihr erzählt hatte, wie ich lebe, »du kannst viel erreichen, wenn du dich öffnest.«

Dieser Satz löste in mir ein Glücksgefühl aus. Ein Lächeln breitete sich auf meinem Gesicht aus.

»Soll ich jetzt für dich beten, Alexander?«, fragte sie mich.

»Ja, gerne.«

Sie senkte den Blick. Ich tat es ihr gleich und sie sprach leise zu Gott. Nach dem Gebet zeigte sie mir den YouTube-Kanal ihrer Kirche und wir verabschiedeten uns.

An der Kröpcke-Uhr traf ich ein bekanntes Gesicht mit runder Sonnenbrille und Glatze. Er kommt die Treppe von der Niki-Promenade hoch und läuft auf mich zu.

»Alex! Was machst du denn hier?«, kommt Andreas, die Dax-Legende, begeistert auf mich zu.

»Andreas! Das könnte ich dich auch fragen«, wir schütteln uns kräftig die Hände, »du weißt schon. Ich bin hier auf der Suche«, zwinkere ich.

»Aha, auch ein Suchender!« Andreas war mit einer Freundin verabredet. Aber sein Handyakku war schon leer und er konnte ihn nirgends aufladen, ohne seine Freundin zu verpassen, die gleich kommen sollte.

Während wir uns unterhielten, kam seine Freundin. Meine Güte, dachte ich. Sie sieht aus wie Mitte 30. Aber Andreas ist fast 60. Aber er ist auch sehr jung im Kopf. Da sieht man, dass nicht das körperliche Alter, sondern das geistige Alter ausschlaggebend dafür ist, ob es zum Techtlmechtl kommt oder nicht.

Nachdem die beiden gegangen waren, hockte ich mich im Schneidersitz an die Kröpcke-Uhr und genoss die Sonnenstrahlen, die durch die grauen Wolken brachen.

Ich wollte heute ins Kino gehen. Alleine ist das kein Problem, aber ich wollte noch jemanden mitnehmen. Also ging ich um den Block und sprach eine schöne blonde Göttin an. Zuerst hielt sie mich für verrückt, weil ich keine Schuhe anhatte. Aber dann entspannte sie sich, als ich ihr erklärte, warum ich barfuß laufe. Sie hatte aber keine Zeit, weil sie für Rock am Ring packen musste.

Am Stand »Spargel- und Erdbeerhof Heuer« sprach ich eine große, rothaarige Göttin an, die gerade Feierabend hatte. Sie hat aber einen Freund und der wäre eifersüchtig, wenn sie mitkäme.

Leider fand ich keine andere interessante Göttin, die ich mit ins Kino nehmen konnte. Also beschloss ich, mir den Film »Planet der Affen« einfach alleine anzuschauen.

Da ich noch bis 20 Uhr Zeit hatte, habe ich mich auf die Schaukel an der Strandbar gesetzt und mir die leckersten Süßkartoffelpommes gegönnt, die ich je gegessen habe.

Dann war es Zeit ins Astor Kino zu gehen. Ich besorgte mir eine Kinokarte mit dem Logesitz am Rand, ein veganes Ben and Jerry Eis und Popcorn und ab ging's ins Kino 7. Alexander Fufaev im Astor Cinema schaut sich Planet der Affen an

Der Film war besser als erwartet. Eigentlich wollte ich den Film sehen, weil ich neulich als Tarzan bezeichnet wurde und der ältere Teil der Filmreihe, den ich gestern im Fernsehen gesehen habe, ganz okay war.

Mir hat an dem Film gefallen, dass er die Frage aufwirft, ob Mensch und Affe (stellvertretend für alle Arten) jemals friedlich zusammenleben können. Mir ist auch aufgefallen, dass Nova, die den sprechenden Menschen spielt, auch barfuß herumläuft.

Gegen 23 Uhr war ich wieder zu Hause und habe mich bei voll geöffnetem Fenster direkt in meinen Schlafsack gelegt und eingeschlafen.

Ich bin heute dankbar:

  • Für den Besuch meines liebgewonnenen Cafés im Bücherladen.
  • Dafür, dass Lena meinen Anruf entgegengenommen hat.
  • Für die Begegnung mit Andreas.
  • Für das Schaukeln und dabei die Süßkartoffelpommes essen.
  • Für den Kinobesuch.
  • Und dafür, dass ich weder Kaffee noch Brot konsumiert habe.