Alexander Fufaev
Ich heiße Alexander FufaeV und hier schreibe ich über:

11. Juni 2024: Nächster Überforderungstag mit Stefanie. BoxHotel. Recherchen zur Bipolarität.

11. Juni 2024. Stefanie war schon um 7 Uhr wach und schien nicht mehr müde zu sein. Ich war noch müde, konnte aber nicht mehr schlafen, weil sie sich auf meinem Handy Pferde- und Hundevideos auf Facebook angeschaut hat. Also kuschelte ich mich an sie und schaute mit.

Mein Penis wurde steif. Sie bemerkte es, wandte ihre Aufmerksamkeit vom Handy ab und fing an, mich auf die Lippen zu küssen. Ich zog meine Unterhose aus. Stefanie war schon nackt.

»Lass uns erst mal duschen«, sagt sie und fasst mir an den Hintern.

Ich stehe als Erster auf und gehe unter die Dusche.

»Und vergiss die Seife nicht«, ruft sie hinterher.

Eigentlich ist Seife am Körper für mich aus unzähligen Gründen ein No-Go, aber für Stefanie mache ich eine Ausnahme.

Ich gehe unter die Dusche. Kurz darauf kommt auch Stefanie dazu. Noch bevor ich zur Seife greife, nimmt sie sie. Sie seift meinen Oberkörper ein. Dann gleitet sie mit der eingeseiften Hand in meinen Intimbereich und beginnt, meinen Penis zu massieren. Er wird steif. Dann gleitet sie mit der Hand über meine Eier. Sie beugt sich etwas nach unten und gleitet mit der Hand unter den Eiern weiter bis zum After.

»Seif mir bitte den Rücken ein«, sagt sie dann und drückt mir die Seife in die Hand.

Sie dreht sich um. Ich seife sie am Rücken und am Po ein. Dann dusche ich mich ab und gehe zuerst raus. Dabei redet und redet sie. Ich trockne mich ab. Plötzlich spritzt sie mich mit Wasser nass.

»Ey, was machst du da?«, rufe ich und trockne die nassen Stellen wieder ab.

Ich lege mich aufs Bett. »Warum ist es hier so nass?«, Taste ich das Bett ab und wundere mich, woher die Feuchtigkeit Überall im Bettlaken Auf Steffis Bett Seite kommt. »Dann pinkel nichts ins Bett, Herr Fluffyfluff«, antworte sie scherzhaft.

Ich fasse es einfach nicht. »Lass uns frühstücken«, rufe ich mit genervter Stimme.

»Was?«, ruft sie zurück.

»Frühstück«, rufe ich etwas lauter.

»Zuerst komme ich zu dir und kümmere mich um deinen Freund. Mit so einer Latte kannst du nicht raus.«

Ich lege meinen Arm auf das Kissen und grinse.

Kurze Zeit später kommt sie abgetrocknet zum Bett zurück und setzt sich auf die Bettkante. Sie föhnt sich die Haare und das Bettlaken und schaut mich an, wie ich nackt auf dem Rücken mit gespreizten Beinen vor ihr liege. Sie richtet kurz den Föhn auf meinen Penis und föhnt dann weiter ihre Haare.

»Was grinst du so, Herr von Umzu?«, fragt sie. Herr von Umzu ist wohl ihre liebste Anrede, wenn sie mich teast.

»Nur so«, grinse ich und schaue meinen steifen Penis an.

Nach dem Föhnen kommt sie zu mir und legt sich auf meine rechte Schulter. Zieht die Bettdecke hoch. Ihre Hand gleitet über meine Brust nach unten und bleibt am Bauchnabel liegen. Ich spüre, wie sie mit der Außenseite der Hand die Eichel berührt.

Ihre Hand gleitet weiter nach unten. Sie fasst mich am Penis und an den Eiern. Stefanie schiebt ihren Kopf langsam unter die Decke. Immer weiter nach unten bis zur Bauchnabel. Ich schließe die Augen und spüre ihre Küsse von der Eichel bis zu den Eiern. Plötzlich wird es an der Eichel wärmer. Sie scheint sie in den Mund genommen zu haben. Das hat sie, denn gleich danach spüre ich, wie ihre Lippen umschlingen und weiter nach unten gleiten. Aber nicht so weit. Und dann wieder zurück. Und dann wieder nach unten. Und dann zurück.

Sie kommt wieder hoch. »So, jetzt gehen wir frühstücken, ich habe Hunger«, küsst sie mich auf die Lippen, »sonst beiße ich deinen Freund ab«.

»Oh nein, bitte nicht«, scherze ich und gebe ihr einen weiteren Kuss, »okay, komm«.

Wir stehen auf und gehen zum Frühstück in den ersten Stock. Es war kurz vor 9 Uhr. Im Frühstücksraum sitzen nur eine ältere Dame und ein Mann im Anzug, der Zeitung las. Am Buffet gibt es viele Leckereien, leider vieles nicht vegan. Obst und Gemüse, verschiedene Käsesorten, Mozarella, Brötchen, Marmelade bis hin zu Lachs. Ich nehme mir einen Teller, einen schwarzen Tee, ein Glas Saft und setze mich an einen Tisch am Fenster. Cityhotel am Thielenplatz in Hannover. Frühstück

Stefanie braucht lange, bis sie am Tisch sitzt.

»Ich fange schon mal an zu essen«, rufe ich.

»Ja, mach nur, ich komme gleich.«

Sie kommt zum Tisch. »Schatz, soll ich dir auch einen Kaffee machen?«

Ich bin etwas verwirrt, dass sie mich Schatz nennt. So verwirrt, dass ich zustimme, obwohl ich Kaffee eigentlich meiden will. Sie stellt zwei volle Teller auf den Tisch und macht Kaffee. Ich frage mich, wie sie das alles essen will. So wie ich sie kenne, wird sie nur wenig davon essen.

Sie kommt mit zwei Tassen Kaffee zurück. Dann kommt sie mit einer Kanne schwarzem Tee und einem leeren Becher zurück.

»Wie willst du das alles essen?«, frage ich sie, während sie den Tee in den Becher gießt.

»Herr von Umzu, jetzt mal nicht frech werden«, sagt sie und gießt den Tee über, sodass der auf den Tisch überschwappt.

»Warum machst du das?«, frage ich sie ratlos und schüttle den Kopf, so wie sie es im Dax immer gemacht hat, wenn ich etwas Verrücktes gemacht habe.

»Weil ich es kann«, lächelt sie und hört auf zu gießen, »und außerdem... Ruhe auf den billigen Plätzen, sonst hole ich die italienische Mafia«, lacht sie.

Die Hotelgäste kamen zum Frühstück und gingen wieder. Nur wir saßen noch lange da. Ich hatte schon aufgegessen und wollte bald gehen. Aber Stefanie hat noch lange nicht aufgegessen, sondern viel geredet. Sie trank ihren Kaffee gar nicht. Ab und zu klaute ich ein paar Kleinigkeiten von ihrem Teller, damit wir rechtzeitig mit dem Essen fertig wurden. Der Lachs mit Senfsauce auf ihrem Teller sah verlockend aus. Ich aß ein Stück davon. Meine Güte, das war ein Gaumenschmaus.

Gegen halb zwölf waren wir endlich fertig. Hätte ich Stefanie nicht beeilt, wäre sie noch viel länger dort gesessen. Wir hatten noch eine halbe Stunde bis zum Auschecken.

Als wir wieder im Zimmer waren, wollten wir noch ein bisschen kuscheln. Sie hatte Honig vom Frühstück mitgebracht.

»Schmierst du mir das jetzt auf den Penis oder was?«, Frage ich sie, weil sie die Packung aufgemacht hat und den Finger in die Packung reingesteckt hat, um den Honig den Finger drauf zu machen.

»Aber nur, wenn du brav bist hör von Umzu«, sagt sie und schmeißt die Honigverpackung auf das Bett.

»Warum schmeißt du Honig auf das Bett? Jetzt ist hier überall Honig dran.«, Reagiere ich gereizt, Stehe auf und packe die Honigverpackung wieder weg.

»Weil ich es kann«, antwortet sie und lacht.

Das Zimmertelefon klingelt.

»Es ist 12 Uhr. Sie müssen auschecken«, sagt ein Mann am Telefon.

»Ja, wir sind gleich fertig«, antworte ich und stehe vom Bett auf.

»Wir müssen jetzt raus«, sage ich zu Stefanie und beeile mich, meine Sachen zu packen.

Stefanie dagegen steht ganz langsam auf, als würde ihr die überzogene Zeit gar nichts ausmachen. Nach wenigen Minuten bin ich fertig und gehe vor das Hotelzimmer. Dort wartet schon das Zimmermädchen.

»Sie kommt gleich raus«, sage ich zu der Reinungskraft.

Zehn Minuten vergehen. Ich bin genervt. Stefanie ist immer noch nicht draußen. Ich klopfe an die Zimmertür. Endlich kommt sie heraus.

Dann wollten wir noch kurz in die Kopernikusstraße, um zu sehen, ob meine Trinkflasche vergessen wurde. Aber es war unmöglich, dort hinzukommen. Stefanie bleibt vor jedem Geschäft, an dem wir vorbeikommen, stehen und geht hinein. Vor einem Juweliergeschäft bleibt sie stehen und behauptet, dass dort die eine Million Euro aufbewahrt würden, die sie geerbt habe. Sie geht hinein, ich verdrehe die Augen und warte draußen auf sie. Ich bin vor allem so genervt, weil ich diese schwere Scheißtasche mit tausend dicken Büchern schleppen muss und Stefanie alle drei Minuten ihre Pläne ändert.

Nachdem sie gegangen ist, versuche ich ihr zu sagen, dass ich überfordert bin und jetzt nach Hause gehen möchte, um mich auszuruhen. Aber sie weicht immer aus. Ich habe das Gefühl, dass alles, was ich ihr sage, alle meine Bedürfnisse, die ich ihr äußere, an ihr vorbeigehen. Ich schlage noch einmal vor, dass ich erst einmal mit der schweren Tasche nach Hause gehe, mich ausruhe und wir uns dann wieder treffen. Sie ist einverstanden und geht weiter. Ich folge ihr.

Als sie vor einem Schaufenster stehen bleibt, sage ich zu ihr: »So, ich gehe jetzt«, sage ich und nehme die schwere Tasche mit. Sie schaut weiter durch das Schaufenster, als hätte sie mich nicht gehört. Ich drehe mich um und gehe nach Hause.

Es tut zwar weh, sie dort zu lassen, aber ich bin froh, dass ich mich endlich ausruhen kann. Wütend schleppte ich die Scheißtüte mit beiden Händen.Vor dem Haus stellte ich ein paar Bücher zurück in den Bücherschrank.

In der WG angekommen, habe ich mir einen schwarzen Tee gemacht und mich mit der bipolaren Störung beschäftigt. Schließlich hatte ich noch keine Zeit gehabt zu lernen, was diese Störung überhaupt bedeutet. Ich wusste nur, dass man manchmal depressiv und manchmal manisch ist. Das war alles. Also habe ich mir Dokumentationen und Talkshows darüber angeschaut, bis ich irgendwann auf der Yogamatte eingeschlafen bin.

Es ist bereits nachmittag. Jemand klingelt an der Tür. Ich wache auf. Es ist Stephanie mit einer anderen Tüte.

»Mach das nie wieder mit mir!«, sagt sie mit flennender Stimme.

»Was meinst du?«

»Abhauen, ohne etwas zu sagen«, erwidert sie.

Ich habe ihr gesagt, dass ich gehe. Sie hat mir erzählt, dass sie zusammengebrochen ist wegen der Unterzuckerung. Ein Mann wollte einen Krankenwagen rufen. Stefanie ist dann aber wieder zu sich gekommen und kam auch so zurecht. Ich habe mich entschuldigt.

Eigentlich wollte ich weiterschlafen, aber sie hat mich überredet, rauszugehen. Stefanie schlenderte durch die Gegend, sammelte Pfand oder sah sich irgendwelche Flyer an.Typisch Stefanie. Ich gehe einfach neben ihr her und schaue sie nicht so an, wie ich es früher getan habe. Ich bin einfach körperlich und geistig erschöpft. Ich kann nicht lächeln. Das scheint Stefanie auch runtergezogen zu haben. Sie hat wenig geredet und war wohl immer noch sauer auf mich.

Vor der Lutherkirche lag viel Müll auf dem Boden. Stefanie hat den ganzen Müll aufgesammelt und in den Mülleimer geworfen. Zwei alte Männer sitzen rauchend auf der Bank und wundern sich, was Stefanie macht. Ab und zu schauen sie mich an. Vielleicht denken sie, dass Stefanie verrückt ist und ich ihr Betreuer bin. Stefanie findet eine kaum gerauchte Zigarettenkippe auf dem Boden und fragt die beiden, ob sie ihr Feuer geben. Einer der Männer gibt ihr das Feuerzeug. Ich nehme auch einen Zug, um den Stress abzubauen. Endlich lächeln wir uns an.

Wir fahren in die Innenstadt, damit Stefanie das Geld am Schalter der Hannoverschen Volksbank abholen kann. Leider sind wir ein paar Minuten zu spät. Sie haben um 18 Uhr geschlossen.

Weiter geht es die Kurt-Schumacher-Straße entlang und Stefanie betritt das Mode Rock Center. Sie mag die schwarzen Klamotten und Schuhe mit hohen Absätzen auf Festivals zu tragen. Ich habe keine Lust dort rumzustehen. Ich Hunger und sage, dass ich kurz nach Hause fahre, um meinen Rucksack zu holen.

Auf dem Heimweg habe ich über Stefanies Verhalten nachgedacht. Sie sammelt Pfand und gibt es den Obdachlosen, die sie um Geld bitten. Sie hat selbst kein Geld, aber sie gibt etwas. Das hat mich sehr berührt, deshalb wollte ich auch ihr etwas Gutes tun. Meine Laune hat sich direkt verbessert.

Als ich zurückkomme, hat sie schon ein paar teure Kleidungstücke für über 400 Euro ausgesucht und beim Verkäufer reservieren lassen. Angeblich kann sie sich das leisten. Ich mische mich nicht ein.

Wir gehen etwas essen. Ich wollte etwas Richtiges. Stefanie wollte unbedingt ein Eis. Diesen Wunsch habe ich ihr gern erfüllt. Wir saßen draußen bei WonderWaffel und haben uns eine Eiswaffel geteilt. Der Mann an der Theke hat unsere Initialen mit Sirup auf dem Teller geschrieben. Das fand ich süß. Wir sahen uns wieder an und lächelten. Die Stimmung war wieder ausgezeichnet bei uns beiden. Fufaev bei WonderWaffel in Hannover

Nach dem Dessert gingen wir etwas Richtiges essen. Beim Bummel durch die Ernst-August-Galerie waren einige Restaurants schon geschlossen. Auf der Suche nach einem Restaurant kam Stefanie ins Gespräch mit den Verkäufern in den Läden. Ich finde es cool, wie einfach Stefanie mit den Menschen ins Gespräch kommt und mich auch mit einbezieht. Wenn man mit ihr unterwegs ist, lernt man schnell neue Leute kennen. Das mag ich sehr an ihr.

Das griechische Restaurant »ANNA« hatte noch geöffnet. Hier aßen wir uns satt, während Stefanie mir von ihrem komplexen Leben erzählte. Nach dem Essen suchte ich ein günstiges Hotel in der Nähe und fand das Boxhotel für 50 Euro pro Zimmer und Nacht. Bei mir in der WG darf Stefanie wegen meinen Mitbewohnern nicht übernachten, nichtmal in meinem eigenen Zimmer und sie kann scheinbar nirgendwo sonst übernachten. Damit sie nicht schlaflos durch die Gegen rennt, habe ich ihr uns ein Hotelzimmer besorgt. Griechisches Restaurant ANNA in der Ernst-August-Galerie in Hannover

»Liebe Gäste, die Ernst-August-Galerie schließt jetzt. Wir bitten Sie, das Gebäude zu verlassen«, erklang die Lautsprecherdurchsage. Ich bin froh darüber, denn Stefanie braucht ewig, um ihr Essen aufzuessen. Sonst würden wir ewig hier sitzen.

»Können Sie uns das Essen einpacken?«, fragt Stefanie die Kellnerin.

»Aber natürlich«, antwortet sie und Stefanie gibt ihr den noch vollen Teller.

Wir gehen kurz an dem Ort vorbei, an dem wir uns kennen gelernt haben, und laufen dann händchenhaltend zum Boxhotel.

Wir konnten dort erst nicht rein. Dann haben uns junge Hotelgäste reingelassen. An einem Automaten haben wir uns einen Kaffee geholt und auf den Mitarbeiter gewartet. Als er dann gekommen ist, haben wir ein Zimmer gebucht. Es hat zwei Einzelbetten oben und unten. Das obere war breiter. Der günstige Preis des Hotels war gerechtfertigt. Im Vergleich zum Cityhotel hatte dieses kleine Zimmerchen keine Fenster, es war etwas warm darin und die Dusche war direkt neben dem Bett.

Wir zogen uns aus und legten uns auf das obere Bett. Ich lag in Unterwäsche und Stefanie lag nackt neben mir. Stefanie nahm mein Handy. Ich habe ihr meinen Pin-Code zum Entsperren gegeben, damit ich es nicht immer wieder entsperren muss. Sie doomscrollte dann in ihrem Facebook-Account. Ihr Feed war voll mit Tiervideos von Hunden und Pferden.

Während sie auf den Bildschirm schaute, lag ich auf der Seite und schaute Stefanie an. Irgendwie erinnerte sie mich in diesem Moment an Jule, so wie sie da lag und konzentriert etwas ansah. Als sie ein trauriges Video sah, in dem ein Pferd befreit wurde, das sich in einem Zaun verfangen hatte, floss ihr eine kleine Träne über die Wange.

Ich küsse sie auf den Hals.

Sie weicht zurück. »Bitte tu das nicht wieder.«

»Warum nicht?«, frage ich. Sie antwortet nicht. Ich tue so als würde ich sie nochmal küssen und frage noch einmal.

»Ich wurde mal beim Sex fast zu Tode gewürgt. Ich mag es nicht, wenn man mich am Hals berührt«

»Okay«, antworte ich, drehe mich auf den Rücken und starre nachdenklich an die Decke. Es ist fast die gleiche Geschichte wie bei Mara. Sie hat ähnlichen Fall erlebt. Anscheinend mögen es manche Männer, beim Sex gewürgt zu werden. Ich kann mir vorstellen, dass das erregend ist, wenn man Lust auf dominanten Sex hat.

Wie aus dem Nichts fängt Stefanie an, sich überall zu kratzen.

„Was ist mit dieser Bettwäsche los?“, regt sie sich auf und schaut sich das Bettlaken genauer an. „Die wurde seit Ewigkeiten nicht gewaschen.“ Sie fährt fort, sich ununterbrochen an allen möglichen Körperstellen, insbesondere am Rücken, zu kratzen.

Auch dieses Verhalten erinnert mich irgendwie stark an Jule. Stefanie findet ein Fussel im Bett und nimmt an, dass es Kakerlakendreck ist.

„Das ist nur ein Fussel“, sage ich und schaue mir den schwarzen Knoll genauer an.

Sie klettert aus dem Bett, zieht sich an und will abhauen. Ich verstehe den plötzlichen Stimmungswechsel nicht. Das bringt mich wirklich auf die Palme.

„Dann hau ab zu deinen Ex-Freunden, mir doch egal“, reagiere ich gereizt.

Ein Streit entbrennt. Sie wirft mir vor, dass ich ihre Gefühle nicht ernst nehme und dass ich ihr nicht gut tue.

Ich antworte darauf, dass ich mit ihrem euphorischen und rastlosen Verhalten überfordert bin. Ich fange wegen der psychischen Überforderung an zu weinen.

„Was heulst du rum?“, fragt mich Stefanie von unten mit ernster Stimme. Scheinbar hat mein Weinen sie etwas beruhigt, denn sie schreit nicht mehr und redet weniger hektisch.

Sie kommt zu mir nach oben, setzt sich aufs Bett und schweigt. Ich gehe zu ihr rüber und lege meinen Kopf auf ihren Schoß. Ich entschuldige mich für meine gereizte Reaktion. Sie geht nicht auf die Entschuldigung ein, sondern wiederholt, dass ich ihre Gefühle nicht beachte und dass ich ihr nicht gut tue. Ich sage nichts mehr, weil weder eine Entschuldigung noch irgendetwas anderes etwas zu bringen scheint. Das Einzige, was ich am Ende sage, ist, dass ich sie mag.

„Du bist genauso wie alle anderen Männer“, sagt sie und streicht mir durch die Haare, „nutzt mich nur aus und verschwindest dann.“

Die Vorwürfe machen für mich keinen Sinn. Wahrscheinlich sagt sie das nur aufgrund ihrer psychischen Erkrankung.

„Trotz meiner Überforderung habe ich gesehen, dass du ein guter Mensch bist, Stefanie“, sage ich, während ich schluchzend auf ihrem Schoß liege.

Sie sagt nichts mehr. Ich hebe meinen Kopf und blicke in ihre Augen. Sie hat Tränen in den Augen. Sie beruhigt sich und bleibt doch im Hotel.

Eine halbe Stunde später kommt ihre hyperaktive Art wieder zum Vorschein. Sie schaut sich bis spät in die Nacht Facebook-Videos an, holt sich Schokolade und Kaffee vom Automaten. Dann will sie doch wieder zum Hauptbahnhof gehen, um frische Luft zu schnappen, entscheidet sich dann aber, durch die Lobby zu laufen. Als sie zurückkommt, erzählt sie, dass sie einem Mann geholfen hat, einzuchecken, weil an der Rezeption niemand mehr war. Dabei hat sie Zugangskarten für alle Zimmer des Hotels in der Hand gehabt.

„Was hast du getan? Wo hast du die ganzen Karten her?“, frage ich überrascht.

„Das Fach war kaputt und man konnte sie leicht rausnehmen. Wir geben sie morgen an der Rezeption ab“, sagt sie und schmeißt die Karten einfach auf die Treppe, sodass sie überall im Zimmer verteilt sind.

Ich bin fassungslos über ihr Verhalten. Und vor allem bin ich müde. Ich liege mittlerweile unten im Bett, weil ich nicht mit Stefanie in einem Bett schlafen möchte. Das ist unmöglich, weil sie die ganze Zeit Facebook-Videos schaut. Sie setzt sich zu mir auf die Bettkante und beginnt, ununterbrochen ihre Lebensgeschichte zu erzählen – schnell, laut und zusammenhangslos. Ich bin so müde, dass ich irgendwann einfach eindöse. Dann wache ich wieder auf, und Stefanie schaut mich an.

„Hörst du mir überhaupt zu?“

„Nein, sorry, ich bin zu müde dafür“, antworte ich mit sehr schläfriger Stimme.

Sie legt sich zu mir ins Bett und bedeckt sich mit der Decke. Ich schaue sie von der Seite an, und fünf Sekunden später schläft sie ein und schnarcht. Ich lege meine Hand auf ihre Brust.

„Fass mich nicht an!“, schreit sie ganz laut im Schlaf, so laut, dass ich denke, die Zimmernachbarn könnten es mitbekommen und vielleicht sogar die Polizei rufen.

Sie schnarcht weiter. Auch ich schlafe dann irgendwann ein.

Ich bin heute dankbar:

  • Für das leckere Frühstück im Cityhotel.
  • Für die leckere Eiswaffel bei WonderWaffel.
  • Für das griechische Abendessen bei ANNA.
  • Dafür, dass ich mich kurz von Stefanie erholen konnte.
  • Dafür, dass ich viel über die bipolare Störung gelernt habe.